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26.04.2018  01:45
Vorsicht, Realität!
Wer die Wahrheit auch nur andeutet, wird unter Feuer genommen.

So schnell kann’s gehen. Da stellt jemand ein paar naheliegende Fragen, meldet milden Zweifel an, zeigt verhaltene Skepsis, formuliert obendrein den Satz „irgendwie scheint da was dran zu sein“ – und schon wird aus einem „Uli“ ein „Hans-Ulrich“, aus einem weithin respektierten und geschätzten ZDF-Korrespondenten ein „Verschwörungstheoretiker“. Ja, Uli Gack, Leiter des ZDF-Studios Kairo, macht dieser Tage Erfahrungen der besonderen Art. [Quelle: rubikon.newsJWD
 

Vorsicht, Realität!
Foto: JFs Pic S. Thielemann /Shutterstock.com  |  Quelle: Rubikon (verlinkt)

 

 
 
 
Da auch Syrien in Gacks journalistischen Zuständigkeitsbereich fällt, tat er, was er schon öfter getan hat. Er packte seinen Koffer, löste ein Flugticket und begab sich an den Ort des Geschehens: an den Schauplatz jenes vermeintlichen Giftgasangriffs, für den man im westlichen Mainstream fast unisono das „Assad-Regime“ verantwortlich macht.

Was er in Duma beobachtete, was er in Gesprächen mit Bewohnern herausfand, hätte Gack allerdings besser für sich behalten. Aber nein, er plauderte es aus. Dass einem versierten und routinierten Reporter ein derartiger „Fehler“ unterläuft, ist erstaunlich. Selbstverständlich wäre nichts dagegen einzuwenden gewesen, wenn der Korrespondent lediglich versucht hätte, sich – ganz persönlich – ein einigermaßen authentisches Bild zu verschaffen. Aber dabei beließ er es nicht. Ganz offenkundig glaubte er, dieses authentische Bild – obendrein in einer „Liveschalte“ – auch der Heimatfront vermitteln zu dürfen.

Gack hätte wissen müssen: Damit überschreite ich die „rote Linie“. So mache ich mich unbeliebt. So nähre ich Zweifel an meiner Zuverlässigkeit. Denn: Wo kommen wir hin, wenn der Mainstream nicht mehr an die eigenen Narrative glaubt?

Der „Focus“ feuerte gestern eine Breitseite gegen „Hans-Ulrich Gack“ ab (1). Schon in der Schlagzeile wird der „ZDF-Mann“ als Anhänger einer „Verschwörungstheorie“ denunziert. Gleich zweimal verweist die Autorin auf ungenannte „Experten“, die Gacks Einschätzung widersprechen und sich sicher sind, dass „die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad hinter dem Angriff steckt“.

Es ist dem Wahrheitsmedium „Focus“ sicher nicht leicht gefallen, in dieser Weise auf einen bislang eher unauffällig agierenden Mainstream-Kollegen loszugehen. Aber der Schaden, den Hans-Ulrich Gack da angerichtet hat, ist einfach zu groß. Da verbietet sich jede Rücksichtnahme. Zumal der „Focus“ zu seinem Entsetzen feststellen musste, dass Gacks Auslassungen „ein gefundenes Fressen“ für staatliche russische Auslandsmedien gewesen seien.

Selbstverständlich hat die „Focus“-Autorin das ZDF zur Rede gestellt. Ein Sprecher des Senders teilte ihr mit, man habe die Gack-Liveschalte „selbstkritisch diskutiert“. Ergebnis: Die Wertung des Korrespondenten sei „zu weit“ gegangen; in den nachfolgenden Sendungen habe er sie „korrigiert“. Man kann sich unschwer ausmalen, was da hinter den Fernsehkulissen abgelaufen ist. Eine Ohrfeige für Gack – die er und andere sich hinter die Ohren schreiben werden.

Mit gewisser Befriedigung vermerkt der „Focus“, dass der Korrespondent offenbar Einsicht zeigt und seit seinem skandalösen Fauxpas „deutlich differenzierter“ berichtet. Na bitte.

Was der „Focus“ in seinem Beitrag leider unterschlägt, ist die Tatsache, dass Uli Gack keineswegs der einzige Journalist ist, der begründete Zweifel am Giftgas-Narrativ hegt. Vorneweg marschiert der wohl renommierteste, jedenfalls erfahrenste Nahost-Korrespondent, Robert Fisk. In einem Beitrag für seine Zeitung, den linksliberalen „Independent“, wird er noch um einiges deutlicher als Gack (2). Das sollte zu denken geben. Tut es aber nicht. Jedenfalls nicht beim ZDF, und schon gar nicht beim „Focus“.

Robert Fisk verfügt zweifellos über ein ganz anderes journalistisches Standing als Uli Gack, aber selbst er dürfte, wenn’s hart auf hart kommt, nicht „unberührbar“ sein. Beleg gefällig? Kaum hatte Fisk seine Sicht der Dinge publiziert, sah sich sein Korrespondenten-Kollege beim „Independent“, Patrick Cockburn, offenbar genötigt, eine verkappte Solidaritätsadresse an Fisk zu publizieren (3).

Cockburn plädiert in seinem Beitrag – nicht zum ersten Mal – für gesunde journalistische Skepsis. Er erinnert an ein Ereignis im Jahr 1991. Damals hatte die US-Luftwaffe eine vermeintliche Anlage für biologische Kampfstoffe im Irak bombardiert. Als Cockburn und seine Kollegen die Fabrik besichtigten, war ihnen klar, dass hier keine Kampfstoffe, sondern Babymilch produziert worden war. CNN-Reporter Peter Arnett teilte genau dies seinen Zuschauern mit – und erntete im offiziellen Washington wie auch bei seinen Kollegen im US-Mainstream einen Sturm der Entrüstung. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass er mit seinem Urteil richtig lag …

Auch gegenwärtig beobachtet und beklagt Cockburn eine „toxic attitude“ gegenüber den wenigen Journalisten, die in den USA oder Großbritannien – und das Gleiche gilt für Deutschland – die offiziellen Verlautbarungen kritisch hinterfragen.

Die britischen Medien, so Cockburn, regten sich mit Vorliebe über Einschränkungen der Meinungs- und Medienfreiheit im Nahen und Mittleren Osten oder in Osteuropa auf, nicht aber über die immer enger werdenden Spielräume im eigenen Land. Wer in Sachen Skripal oder Duma aus der Reihe tanze, werde vom tonangebenden „Kommentariat“ als Parteigänger Putins oder Assads hingestellt.

Cockburn beobachtet nicht weniger als einen „neuen Autoritarismus“. Die Vergleiche, die er anstellt, sind dazu angetan, auch den letzten schlafenden Hund zu wecken. Und sie lassen Rückschlüsse auf die prekäre Situation zu, in der sich integre Journalisten wie er oder Robert Fisk derzeit befinden. Denn Cockburn fühlt sich tatsächlich an das Gebaren der Bolschewiki erinnert! Dieser Hinweis ist ebenso vielsagend wie alarmierend.

Die Bolschewiki, so schreibt er, hätten ihre Kritiker gerne als „Konterrevolutionäre“ oder „Faschisten“ diffamiert und seien nach dem Grundsatz verfahren: „Sag mir, wer dich unterstützt, und ich sage dir, wer du bist.“ So sei es auch heute, sagt Cockburn: „The only thing that matters is what side you are on.”

 

 
 


Quelle: Rubikon (verlinkt)


 
  
Quellen und Anmerkungen:
Ulrich  Teusch
Quelle: rubikon.news (verlinkt)
  Ulrich Teusch

lebt als freier Publizist in Edermünde bei Kassel. Er ist Sachbuchautor, Mitarbeiter verschiedener öffentlich-rechtlicher Hörfunkprogramme und betreibt seit Anfang 2016 den Polit-Blog augenaufunddurch.net. Von ihm erschienen unter anderem „Was ist Globalisierung?“, „Die Katastrophengesellschaft“, „Jenny Marx“ und „Lückenpresse“.

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